Praxis

Dr. Werner

Facharzt für innere Medizin, Bad Kreuznach

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Autoimmune Lebererkrankungen

Die autoimmunen Lebererkrankungen sind chronische Prozesse, bei denen das Immunsystem fälschlicherweise die eigenen Leberzellen angreift. Zu den wichtigsten Vertretern zählen die Autoimmune Hepatitis (AIH) und die primär biliäre Cholangitis (PBC), die primär sklerosierende Cholangitis und die IgG4-Hepatitis. Während sich die AIH gegen die Hepatozyten richtet, attackiert die PBC die kleinen intrahepatischen Gallengänge. Obwohl es sich um 2 verschiedene Erkrankungen handelt, können sie in Form eines Overlap-Syndroms gemeinsam auftreten, was Diagnostik und Therapie erheblich komplexer gestaltet.

1. Autoimmune Hepatitis (AIH)

Die AIH ist eine chronisch-entzündliche Lebererkrankung unbekannter Ursache, die durch das Vorhandensein autoantikörperspezifischer Autoantikörper, erhöhte IgG-Spiegel und eine charakteristische Histologie gekennzeichnet ist.

Die AIH wird in Typ 1 und Typ 2 unterteilt, primär basierend auf dem Autoantikörperprofil. Während sich Typ 2 oft bei jüngeren Patienten mit aggressiverem Verlauf präsentiert, ist die grundlegende Therapie für beide Formen gleich. Die Bestimmung der Untertypen hilft, das Krankheitsbild genau zu klassifizieren und andere Ursachen auszuschließen.

Symptome: Die Symptomatik ist variabel. Sie reicht von völliger Beschwerdefreiheit (asymptomatisch) bis hin zu einem akuten hepatitisähnlichen Bild mit:

* Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Leistungsknick

* Oberbauchbeschwerden

* Gelenkschmerzen (Arthralgien)

* Ikterus (Gelbsucht)

* Bei fortgeschrittener Erkrankung: Zeichen der Leberzirrhose (Aszites, Ödeme, Spider-Naevi)

Verlauf: Unbehandelt schreitet die AIH kontinuierlich fort und führt über eine Leberfibrose zur Zirrhose mit ihren Komplikationen (portale Hypertension, Leberversagen, hepatozelluläres Karzinom). Unter adäquater immunsuppressiver Therapie ist die Prognose jedoch exzellent, und der Krankheitsprozess kann oft zum Stillstand gebracht oder sogar rückgängig gemacht werden.

Diagnose: Die Diagnosestellung erfolgt anhand eines international anerkannten Scores (Score des International Autoimmune Hepatitis Group), der klinische, serologische und histologische Kriterien zusammenführt.

Labor: Erhöhte Transaminasen (GOT, GPT), deutlich erhöhtes IgG, Nachweis von Autoantikörpern: ANA (antinukleäre Antikörper), SMA (Antikörper gegen glatte Muskulatur), anti-LKM-1 (Antikörper gegen Leber-Nieren-Mikrosomen Typ 1).

Histologie: Eine Leberbiopsie ist obligat. Typisch ist eine interface Hepatitis (periportale Hepatitis mit lymphozytärem Infiltrat) mit Plasmazellen.

Therapie:

Induktionstherapie: Standard ist die Gabe von Kortikosteroiden (Prednisolon) zur raschen Unterdrückung der Entzündung.

Erhaltungstherapie: Zur langfristigen Remissionserhaltung und zur Reduktion der Steroiddosis wird Azathioprin hinzugefügt (Kombinationstherapie). Ziel ist die niedrigste effektive Dosis, die die Remission erhält.
(Kortison ( Prednison) 20-60 mg,   Budesonid 9mg,     Azathioprin 50-150 mg

Bei Therapieversagen oder Unverträglichkeiten stehen Second-Line-Therapeutika wie Mycophenolat-Mofetil zur Verfügung.

* Eine lebenslange Therapie und Überwachung sind notwendig.


Merkmal

AIH Typ 1

AIH Typ 2

Typische Autoantikörper

ANA (antinukleäre AK)
SMA (Anti-glatte Muskulatur AK)

anti-LKM-1 (Anti-Leber-Niere-Mikrosomen Typ 1)
anti-LC-1 (Anti-Leberzytosol Antigen 1)

Häufigkeit

Sehr häufig (~80% der Fälle)

Selten (~20% der Fälle)

Altersgipfel

Zwei Gipfel: 10-20 Jahre & 45-70 Jahre

Vorwiegend Kinder und Jugendliche (2-14 Jahre)

Klinischer Verlauf

Oft milder, kann aber auch schwer verlaufen

Häufig schwererer und akuter Verlauf bei Diagnose

Assoziation mit anderen Autoimmunerkrankungen

Häufig (z.B. Autoimmunthyreoiditis, rheumatoide Arthritis)

Assoziation mit autoimmunem Polyendokrinopathie-Syndrom Typ 1 (APS-1)

Therapie

Standard-Immunsuppression

Standard-Immunsuppression, oft schwieriger zu behandeln, höhere Rezidivneigung


2. Primär biliäre Cholangitis (PBC)

Die PBC ist eine chronische, autoimmune, cholestatische Lebererkrankung, die durch eine Destruktion der kleinen intrahepatischen Gallengänge charakterisiert ist. Dies führt zu einem Rückstau von Gallenflüssigkeit (Cholestase) in die Leberzellen, was langfristig eine Fibrose verursacht.

Symptome:

Frühstadium: Oft asymptomatisch (Zufallsbefund im Labor), oder unspezifische Symptome wie Müdigkeit und Juckreiz (Pruritus), der quälend sein kann.

Spätstadium: Ikterus, Hepatosplenomegalie, Xanthelasmen (Fettablagerungen an den Augenlidern), Zeichen der Cholestase (dunkler Urin, heller Stuhl) und schließlich Zirrhosezeichen.

Verlauf: Die Erkrankung schreitet langsam, aber stetig voran. Die frühzeitige Behandlung mit Ursodesoxycholsäure (UDCA) verlangsamt das Fortschreiten und kann den Eintritt in die Zirrhose bei den meisten Patienten verhindern.

Diagnose:

Labor: Cholestaseparameter sind erhöht (alkalische Phosphatase - AP, Gamma-GT). Wegweisend ist der Nachweis hochspezifischer antimitochondrialer Antikörper (AMA) in >90% der Fälle. Auch ANA können vorkommen (z.B. spezifische Muster wie anti-gp210, anti-sp100).

Histologie: Floride Gallengangsdestruktion, granulomatöse Entzündung um die Gallengänge herum. Eine Biopsie ist nicht immer zwingend erforderlich, wenn AMA positiv und die Cholestaseparameter passen.

 

3. Das AIH-PBC Overlap-Syndrom

Bei einigen Patienten (ca. 5-10%) liegen Merkmale beider Erkrankungen vor. Die Diagnose eines Overlap-Syndroms wird gestellt, wenn Kriterien für beide Erkrankungen gleichzeitig erfüllt sind.

Symptome: Können sich aus beiden Krankheitsbildern zusammensetzen (z.B. Müdigkeit, Juckreiz, Ikterus).

Diagnose: Es finden sich typische Laborwerte beider Erkrankungen: Erhöhte Transaminasen (AIH) und erhöhte AP/GGT (PBC), plus Nachweis von sowohl ANA/SMA als auch AMA. Die Histologie zeigt Zeichen der interface Hepatitis und der Gallengangsdestruktion.

Therapie: Die Behandlung ist anspruchsvoll und erfordert eine Kombination aus UDCA (für die PBC-Komponente) und Immunsuppression mit Prednisolon +/- Azathioprin (für die AIH-Komponente)**. Das Ansprechen auf diese Kombinationstherapie ist üblicherweise gut.


Differentialdiagnostik anhand der Labowerte

Die Labordiagnostik ist entscheidend für die Abgrenzung und die Diagnose eines Overlap-Syndroms:

Parameter

Autoimmune Hepatitis (AIH)

Primär biliäre Cholangitis (PBC)

Overlap-Syndrom

Transaminasen (AST, ALT)

Stark erhöht

Normal bis mäßig erhöht

Erhöht

Alkalische Phosphatase (AP)

Normal bis leicht erhöht

Stark erhöht

Erhöht

Immunglobulin G (IgG)

Deutlich erhöht

Normal bis leicht erhöht

Erhöht

Typische Autoantikörper

ANA, SMA, anti-LKM-1

AMA (in >90%)
ANA (anti-gp210, anti-sp100)

ANA/SMA und AMA


Primär sklerosierende Cholangitis (PSC)

Eine chronische cholestatische Lebererkrankung, die durch eine fortschreitende, entzündliche Vernarbung und Strikturierung (Verengung) sowohl der **inner- als auch außerhalb der Leber** liegenden Gallengänge charakterisiert ist. Dies führt zu einem Rückstau der Galle (Cholestase).

Symptome: Sehr variabel. Viele Patienten sind lange asymptomatisch. Typische Symptome sind Müdigkeit, Juckreiz (Pruritus) und später Gelbsucht (Ikterus). Oft treten auch rezidivierende episodische Fieberschübe durch bakterielle Gallengangsentzündungen auf.

Besonderheit: Bis zu 80% der PSC-Patienten leiden gleichzeitig an einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (meist Colitis ulcerosa). Die Diagnose einer PSC sollte immer zu einer Darmspiegelung veranlassen.

Diagnose:

Labor: Cholestasezeichen (erhöhte AP und GGT); Autoantikörper sind weniger spezifisch (pANCA können positiv sein).

Goldstandard: Die MRCP (Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie), eine spezielle MRT-Untersuchung der Gallenwege, die die typischen multiplen Strikturen und Erweiterungen der Gallengänge ("Perlschnurphänomen") sichtbar macht.

ERCP (endoskopische Darstellung der Gallengänge) ist invasiver, bleibt aber in unklaren Fällen oder zur Intervention wichtig.

Therapie: Eine ursächliche Therapie existiert nicht. Ursodesoxycholsäure (UDCA) wird eingesetzt, hat aber keinen gesicherten prognostischen Benefit. Die Behandlung konzentriert sich auf die Therapie von Komplikationen (z.B. Gallengangsentzündungen, Juckreiz) und die Überwachung. Die einzige kurative Option im Endstadium ist die **Lebertransplantation**.


IgG4-assoziierte Erkrankung der Leber

Eine systemische Erkrankung, bei der sich entzündliches, mit IgG4-plasmazellenreiches Gewebe in verschiedenen Organen bilden kann, auch in der Leber und den Gallenwegen. Sie kann die Gallenwege befallen und eine PSC imitieren ("IgG4-assoziierte Cholangitis").

Diagnose: Entscheidend ist die Erhöhung des Serum-IgG4-Spiegels und der histologische Nachweis von IgG4-positiven Plasmazellen in der Biopsie.

Therapie: Im Gegensatz zur PSC spricht diese Erkrankung exzellent auf Kortikosteroide an.

Erstellt durch DeepSeekR3.1 am 7.9.2025  Version 2.0

 

Literatur: NEJM Review 2006

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